Muss ich denn immer Zen sein? Ist positives Denken wirklich immer hilfreich?

Aktualisiert: Juli 7

Mit hyperguter Laune und einem ewigen Lächeln im Gesicht stellt man sich einen Yogi vor. Das finde ich ganz schön schwer, bin ich doch ein Mensch und nicht Buddha.


Da haben sich die Herausforderungen des Corona-Lockdowns angestaut und weil ich ja sonst zu nichts nein sagen möchte, kann und will; raucht mir doch wirklich manchmal das Rübchen. Erst recht, wenn sich mein Löwengemüt Luft machen möchte und ich unverstandene Blicke ernte, da ich das doch alles hätte wegmeditieren können.



Das mache ich auch. Wie immer meditiere ich wenigstens 15 Minuten am Tag. Meditation ist dafür da, mit sich und der Umwelt besseren Einklang zu finden, nicht sich seine Welt in rosa Zuckerwatte zu packen. Meditation ist dafür da, sich besser kennen zu lernen und besser auf seine Gefühle, seinen Körper und seinen Geist einzugehen. Um eine alltägliche Balance zu finden, gehören Gefühle, der ehrliche Umgang damit und deren Freilassung ganz einfach dazu. Natürlich immer, ohne absichtlich anderen dabei zu schaden – ganz klare Sache.



Es hilft nicht allen Menschen, sich dieser stetigen positiven Psychologiebewegung von "Sieh es positiv!" oder "Glück ist eine Wahl – also entscheide dich, glücklich zu sein!" zu unterziehen, denn jeder ist anders. Jeder Mensch reagiert anders, fühlt anders, denkt anders und ist Gottseidank ganz individuell.

Gerade als die Popularität dieser Bewegung in den letzten Jahren wuchs, führte es doch hin-und wieder dazu, Menschen mit Depressionen, Ängsten oder gelegentlichen negativen Gefühlen noch tiefer in die Wut zu stürzen.

Der Satz „Du musst Dich nur entspannen…“ hat bestimmt noch keinem aus einer Depression geholfen. Das Gefühl nicht gut/stark/clever/… genug im Gefühle und Gedankenbeschönigen und damit im Leben, zu sein, mag bei dem ein oder anderen aufgekommen sein.

Die August- und Oktober-Ausgaben von „Motivation and Emotion“, der offiziellen Zeitschrift der Society for the Study of Motivation, enthalten Studien, beweisen dies.


Die Studie aus der August-Ausgabe, die von Karin Coifman und Kollegen durchgeführt wurde, kam zu dem Schluss, dass, wenn Menschen negative Emotionen gegenüber ihren Beziehungen, ihrer Umwelt oder z.B. chronischen Krankheiten anerkennen, reflektieren und ansprechen, es ihnen hilft, ihr Verhalten anzupassen und für sich angemessener zu reagieren. Sich selbst der eigenen negativen Emotionen bewusst zu sein, damit umgehen zu können und diese auch zuzulassen wirkt sich wiederum positiv auf die allgemeine psychische Gesundheit aus.



Es ist nicht das erste Mal, dass nahelegt wird, dass positive Psychologie gefährlich sein kann. Seit Jahren untersuchen Psychologen Emotionen und wie sie den Alltag, den Erfolg und das Selbstwertgefühl beeinflussen. Diese Studien haben herausgefunden, dass die positive Psychologie zwar einigen Menschen helfen kann, glücklich zu werden, für andere jedoch schädlich sein kann und zu Gefühlen des Versagens und der Depression führen kann.


Dies ist mir mal wieder sehr bewusst geworden, als meine Freundin und Mediationslehrerin Franzi und ich uns mal wieder beieinander auskötzelten. Das tut immer riesig gut, und hätte eine von uns gesagt: „Mensch, sei doch glücklich darüber, dass soundso…“ Oder „Warte nur, schon bald wirst Du das Positive darin erkennen ...“, hätte das darauffolgende Augenrollen die Erdachse aus der Bahn geworfen.



Deswegen:

  1. Lachen tut gut. Weinen auch.

  2. Schreien hat dem Wald noch nie weh getan.

  3. Die besten Freundschaften haben Gefühlsausbrüche als Fundament. Nutze dies und vertraue.

  4. Höre in Dich hinein und lass dem Rest freien Lauf.

  5. Schlechte Laune gehört Dir. Gute Laune natürlich auch.

  6. Meditiere, um zu regulieren und Ausgleich und Dein Potential zu finden, nicht um Dir die Welt rosa zu säuseln


Viele Grüße, ein Lächeln, viel Gesundheit und Namasté

Eure Cindy

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